Mud Hive

 

Einleitung
Sonnengetrocknete Lehmbienenkästen sind natürlich nicht so stabil wie Holzbienenkästen oder traditionelle Bienenkästen. Sie können nicht offen im Regen stehen und sind durch das Material auch kein Schutz gegen Ameisen und Termiten. Dazu wird ein zusätzlicher Schutz in Form einer mit Altöl bestrichenen in den Ständer eingearbeiteten Metallplatte benötigt. Auch können sie aufgrund ihres Gewichtes nicht so einfach verstellt werden. Dafür sind sie in Regionen mit niedrigem Einkommen und wenig Holzbestand eine echte Alternative, da  sie mit sehr wenig Holz auskommen und unschlagbar billig in der Herstellung sind.Darüber hinaus ist der Lehmbau in der einen oder anderen Weise in den meisten ländlichen Regionen Afrikas bekannt. So das die Arbeitstechnik an sich nicht mehr vermittelt werden muss.

Der Mud Hive ist eine Variante des Kenya Top Bar Hive, die ursprünglich in Athiopien entwickelt wurde. Meiner Ansicht nach vereinigt er die folgenden Vorteile in sich:

  • kostengünstige Herstellung (es wird kaum Holz benötigt)
  • alle Materialien sind, in der Regel, regional verfügbar
  • das Wissen über den Lehmbau ist in den meisten afrikanischen Regionen vorhanden
  • die Erntemethoden sind im Vergleich zur traditionellen Bienenhaltung schonend
  • das relativ stabile Kastenklima reduziert die Aggressivität der Bienen
  • beim Halten der Bienen in Bienenhäusern reduziert sich die Aggressivität weiter
  • das Halten der Bienen in Bienenhäusern schützt den Imker vor Honigräubern; ein aufgrund der Armut weitverbreitetes Problem afrikanischer Imker

Hinzu kommt das der Mud Hive, ebenso wie der Kenya Top Bar Hive, verschiedene Vorteile in der Handhabung der Bienen und der Waben bietet:

  • mit den Top Bars sind die Waben leicht einzeln in andere Völker umzuhängen
  • Brut und Honig können getrennt von einander behandelt werden
  • somit ermöglicht der Mud Hive sowohl eine Verbesserung der Honigqualität
  • als auch einen Einstieg in modernere Haltungsformen der Bienen
  • Ablegerbildung wird denkbar
  • Bienenwachsernte wird erleichtert

Aus den Fotos gehen auch verschiedene Möglichkeiten hervor Unterstände zu bauen. Neben Bienenhäusern sind Unterstände in verschiedenen Größen denkbar. Die Dächer können sowohl aus traditionellen Materialien wie auch aus Grass, Dachziegeln oder Palmendächern gefertigt werden. Ich bitte die Qualität der Fotos zu entschuldigen. Sie wurden erst Jahre nach meiner Rückkehr von Negativen und Dias digitalisiert. Auch habe ich leider nicht von allen Phasen der Herstellung Aufnahmen machen können, bzw. nicht mehr verfügbar. Dennoch sollte es, für jemanden, der ein wenig Erfahrung in der Arbeit mit Bauanleitungen hat, möglich sein die Bienenkästen zu bauen. Für Nachfragen stehe ich über meine Internetseite gern zur Verfügung.

 

Bauanleitung


1. Herstellung der Ziegel
1.1. Vorbereiten des Lehms
1.1.1. Unfermentiert
1.1.2. Fermentiert
1.2. Anfertigen der Ziegel
1.2.1. Trocknung der Ziegel
2. Bauanleitung
2.1. Bau des Ständers
2.2. Bau des Bienenkasten


1. Herstellung der Ziegel
Zuerst gilt es einen Platz mit geeignetem Lehm zu finden. Meiner Erfahrung nach wissen die Bauern in der Regel recht genau, welche Böden sich für den Lehmbau am besten eignen. Falls nicht sollte man an Stellen mit verschiedenen Bodenqualitäten Probeziegel erstellen und diese nach dem Trocknen vergleichen. Hierzu sollten in jedem Fall die großen Formen benutzt werden. Bei den großen Ziegeln ist die Bildung von Rissen und Brüchen am wahrscheinlichsten. Es sollten nicht mehr als 10 bis 15% der getrockneten Ziegel unbrauchbar sein. Allerdings lässt sich ein gewisser Anteil an Bruch, aufgrund der Größe der Ziegel nicht vermeiden. Zur Herstellung der Ziegel für einen Bienenkastens werden ca. 70 Liter Wasser benötigt.

 

1.1. Vorbereiten des Lehms
Zuerst wird an der ausgewählten Stelle die Erde gelockert und dann zerkleinert. Über die Erde wird nun nach und nach, unter regelmäßigem Umschichten, das Wasser verteilt. Es ist gut den gewässerten Lehm zwischendurch in Ruhe ziehen zu lassen. So saugen sich auch größere, harte Klumpen mit Wasser voll und können danach leichter zerkleinert werden. Steine sollten soweit als möglich entfernt werden. Auch wenn es nicht jedermanns
Sache ist, hat sich das regelmäßige Stampfen des Lehms mit den Füßen bewährt. Der Lehmbrei solltein der Konsistenz so geartet sein, dass er, wenn er locker in die Form geworfen wird, nicht spritzt. Dem Lehmbrei müssen nun noch Materialien zur Stabilisierung der Ziegel zugesetzt werden. Hierzu eigenen sich grundsätzlich zwei Arten.

Foto: Vorbereiterter Lehmbrei

1.1.1. Unfermentiert
In Kibwezi gibt es eine große Sisalplantage, die industriell Sisalfasern für die Verarbeitung in der Teppichherstellung etc. herstellt. Nach einigem Experimentieren haben wird die Reste/Abfälle aus der Produktion für die Herstellung der Ziegel benutzt. Wichtig ist, dass die Sisalfaser im Lehmbrei nicht verklumpen, bzw. Klumpen bei dem Einfüllen des Breis aus der Masse entfernt werden. Also zieht man die Fasern während des Unterstampfens in den Lehmbrei auseinander. Die Sisalfaser hält insbesondere die großen
Ziegelplatten zusammen. Auftretende Risse führen so meist nicht zum Bruch des Ziegel. Die Risse können nach
dem Zusammenbau des Bienenkasten verfüllt werden. Um die richtige Menge der Mischung herauszufinden benötigt man allerdings etwas Fingerspitzengefühl und Erfahrung. Die Ziegel für den Ständer und die Stützdreiecke sind normalerweise kein Problem in der Herstellung. Falls keine Sisalfasern vorhanden sind, halte ich es auch für möglich Hanffasern von Seilen, Stofffäden oder ähnliches zu verwenden.

Foto: Einarbeiten der Sisalfasern

1.1.2. Fermentiert
In Äthiopien, wo diese Bienenkästen entwickelt wurden, wird im Lehmbau landesweit eine Methode zur Fermentierung des Lehms benutzt. Durch das Fermentieren werden die Ziegel deutlich härter und auch weniger regenanfällig. Auch in anderen Gebieten Afrikas sind Methoden zur Fermentierung im Lehmbau bekannt. Auch in Europa wurden beim Bau von Fachwerkhäusern entsprechende Techniken verwendet. Ich stelle, die von mir in Äthiopien kennengelernte Methode im Folgenden dar:
Der Lehmbrei wird, wie oben beschrieben vorbereitet. Anstelle von Fasern wird in Äthiopien Teffstroh (in Deutschland wird meines Wissens nach Haferstroh verwendet) unter den Lehm gemischt. Die Mischung muss nach der Herstellung über einen längeren Zeitraum (durchaus 2 bis 4 Wochen) regelmäßig alle 1-2 Tage gewässert und neu vermischt werden. Zur Veranschaulichung der erforderlichen Menge an Stroh sollen die Fotos einen Anhaltspunkt liefern. Neben der Verwendung verschiedener Strohsorten sind weitere Arten der Fermentierung beispielsweise mit Jogurt, Algen und anderen Zusätzen bekannt. Den Interessierten möchte ich auf das Internet verweisen. Sicherlich wird es die eine oder andere Seite geben, auf der entsprechendes
Wissen zur Verfügung gestellt wird.
 

1.2. Anfertigen der Ziegel
Zuerst bereitet man eine ebene trockene Fläche vor. Hier sollen die Ziegel hergestellt werden und trocknen. Der Platz sollte, je nach Klima möglichst nicht in der prallen Sonne liegen. Der Untergrund sollte trocken sein. Ansonsten kann die Trocknung der Ziegel sehr lange dauern. Die jeweilige Form wird kurz gewässert und dann auf den Boden gelegt. Der vorbereitete Lehmbrei wird nun locker zuerst in die Ecken und Seiten geworfen. Danach wird auf die gleiche Weise die Form aufgefüllt, bis der Lehm den oberen Rand etwas überragt. Der überschüssige Lehm wird mit einem Holz langsam der Länge nach abgestrichen. Das Holz sollte gut nass sein, damit der Lehm nicht mit dem Holz verklebt und so Risse und Unregelmäßigkeiten im Ziegel entstehen können. Bei Bedarf kann der Lehm an der Oberfläche ruhig mit dem Holz hin und her gestrichen werden, um den Lehm bis in die Ecken zu verteilen. Fehlender Lehm in den Ecken und Rändern sollte so lange nachgeworfen werden bis eine ziemlich ebene Oberfläche entstanden ist. Beim wiederholten abstreichen der Oberfläche mit dem Holz sollte dieses bei Bedarf erneut mit Wasser befeuchtet werden. Überflüssiges oder verklumptes Sisal oder Stroh sollte entfernt beziehungsweise auseinander gezogen werden. Nun wird die Form unter leichtem hin und her
bewegen vorsichtig abgehoben.


Foto: Einarbeiten des Lehmbreis in die Form und abziehen des überflüssigen Lehms

Für jeden Bienenkasten werden zwei große Platten mit Fugen benötigt. Zur Herstellung hat die große Form auf der einen Seite vier Einschnitte in der Breite und Tiefe des zugehörigen Holzes. Nachdem der überflüssige Lehm von Oben abgezogen wurde, wird das Holz erneut mit Wasser benetzt und dann vorsichtig in die Einschnitte gedrückt. So entsteht nach der Herausnahme des Holzes die notwendige Fuge.
Insgesamt werden die folgenden Ziegel benötigt:
3 Große Ziegelplatten (zwei davon mit Fugen für die Front- und Rückseite)
5 Kleine Ziegelplatten
2 Dreiecke als Seitenstützen
20 Ziegel für den Bau des Ständers

Herstellung der Ziegel für den Ständer und der Stützdreiecke

1.2.1. Trocknung der Ziegel
Um Rissbildungen und Bruch zu minimieren, sollten die Ziegel nicht zu schnell getrocknet werden. Daher
werden die frisch gemachten Ziegel mit Stroh, Grass oder Blättern abgedeckt. Nach zwei bis drei Tagen
kann man schon versuchen, ob eine gewisse Festigkeit erreicht ist. Ggf. kann man die Ziegel vom Boden lösen
und überflüssig anhaftenden Lehm mit einem Buschmesser entfernen. In eine der großen Ziegelplatten mit Fugen wird auf der Seite, wo die Fugen spitz zulaufen ein etwa 7 cm breites und 1 cm hoher Teil in der Mitte des Ziegels mit dem Buschmesser vorsichtig heraus geklopft bzw. gekratzt. Danach stellt man die Ziegel zur abschließenden vollen Trocknung auf eine der Seitenkanten.

Foto: Fertige Ziegel werden schon mit Grass abgedeckt

2. Bau der Bienenkästen
Für den Zusammenbau der Bienenkästen werden drei Personen benötigt. Neben den Ziegeln wird ein Metallblech zum Zwischenlegen beim Aufbau des Ständers benötigt. Die notwendige Größe ist aus der Bauzeichnung am Ende der Seite (auch als PDF download) zu entnehmen. Zuerst wird der Standplatz ausgesucht. Er sollte eine ausreichende Entfernung zu Wohnbereichen von Menschen haben. Dies ist insbesondere im mittleren und südlichen Afrika, aufgrund der Aggressivität der hiesigen Bienen, unbedingt erforderlich. Mit durch zunehmende Höhe sinkenden Durchschnittstemperaturen lässt die Aggressivität deutlich ab. Außerdem scheinen die im Bergland ansässige Bienenrasse deutlich friedlicher zu sein. Dennoch sollte man hier aufgrund der immer wieder vorkommenden Todesfälle durch Attacken von Bienenvölkern auf keinen Fall Kompromisse machen.
 

Foto: Treffen zweier Selbsthilfegruppen

2.1. Bau des Ständers
Der Ständer wird aus den dicken und kurzen Ziegeln zusammengebaut. Der Aufbau ist der Bauzeichnung zu entnehmen. Als Mörtel dient einfacher Lehmbrei. Nach drei Lagen Ziegeln wird das Blech auf eine dünne Schicht Lehmbrei aufgelegt. Danach kommt eine weitere Lage Steine, die wieder mit einer dicken Schicht Lehmbrei abgedeckt wird. Insgesamt ist darauf zu achten, dass der Ständer des Bienenkastensstabil steht (nichts sollte  wackeln) und die Oberfläche, soweit möglich, eben ist.

Foto: Vollständiger Bienenkasten, Metallplatte mit Altöl bestrichen

2.2. Bau des Bienenkastens
In die Mitte des Ständers wird nun die große Ziegelplatte (ohne Fugen) quer in den aufliegenden Lehmbrei eingepasst. Es ist darauf zu achten, dass sie möglichst waagerecht liegt. Danach wird eine der kleineren Ziegelplatten am Rand des Ständers eingepasst. Sie sollte durchaus einige Zentimeter überstehen. Der zwischen den Platten entstandene Spalt wird später mit Lehm aufgefüllt.

Foto: Drei Bienenkästen im Unterstand

Jetzt kommt der erfahrungsgemäß schwierigste Teil des Aufbaus. Hierzu werden drei Personen benötigt. Jede Person nimmt eine Ziegelplatte. Zwei jeweils eine der kleineren Ziegelplatten, einer die eine der großen Platten mit den Fugen. Hier entscheidet sich in welche Richtung das Flugloch gehen soll. Die beiden Stützdreiecke für die Seitenteile stehen bereit und auch ein Haufen Lehmbrei sollte auf der anderen Seite des Ständers schon vorbereitet sein. Die Führung übernimmt die Person am Kopf mit der großen Platte. Die anderen beiden sollten tun was er sagt. Der Führende passt seine Platte nun so auf die Basisplatte an, dass sie mit der Basisplatte am äußeren Rand einen 90 Grad Winkel als Abschluss bildet. Vorerst hält er die Platte, ohne das Gewicht abzulegen!!! Er fordert nun seine beiden Kollegen auf, die beiden Seitenteile in die Fugen einzupassen. Falls sie
nicht passen, können die Platten noch einmal mit dem Buschmesser nachgearbeitet werden. Passen die Seitenteile in die Fugen werden die Seitenteile schon einmal vorläufig mit den Stützdreiecken abgesichert. Jetzt können zuerst die Seitenteile und dann die Frontplatte abgesetzt werden. Allerdings müssen alle drei Teile weiter in Position gehalten werden. Die beiden Personen an den Seitenteilen benutzten jetzt die freie Hand um den vorbereiteten Lehmbrei als Mörtel zu benutzen. Sie verschmieren jetzt die Fugen und die untere Seitenkanten der Platten mit Mörtel und stabilisieren so deren Stand sowohl von Innen wie auch von Außen. Die Dreiecke werden so gestellt, dass sie mit der Hälfte ihrer Breite die schon gestellten Seitenteile abstützen.

Foto: Imkergruppe Masongaleni vor Rohbau des Bienenhauses

Jetzt wird die dritte Grundplatte auf dem Ständer in den Mörtel gedrückt. Alle drei Grundplatten sollen eine relativ ebene Fläche bilden. Wieder entsteht ein Spalt zwischen der Mittelplatte und der Grundplatte. Jetzt nimmt die Führungsperson die zweite Platte mit Fugen und hält sie ungefähr dorthin, wo sie später fest installiert werden soll. Noch bleibt das Gewicht wieder in seinen Händen. Die beiden Helfer nehmen wieder jeweils eine der kleineren Platten als Seitenteil und passen sie bündig an die ersten Seitenteile auf der einen Seite und in die Fugen der Kopfplatte auf der anderen Seite an. Dann werden wieder alle Platten gleichzeitig abgesetzt und die Abstützung durch die Dreiecke überprüft. Die Seiten sollten jetzt eine gerade Linie bilden. Anschließend werden die Fugen und Grundlinien der Innenseite mit Lehm verschmiert und der gesamte Bienenkasten von außen mit reichlich Lehmbrei stabilisiert. Jetzt sollte man den Kasten trocknen lassen. Nach der Trocknung kann man insbesondere die Innenseiten noch mit einem Buschmesser oder Blechstück glätten. Ggf. mit mit Wasser etwas verdünnten Kuhdung beschichten. Damit wird die Innenseite des Kastens noch einmal deutlich glatter.

Foto: Eine andere Art der Abdeckung

Foto: Bienenhaus mit Bienenkästen in Äthiopien (Zur Beobachtung wurden Glasscheiben eingearbeitet)

 


Eigene Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!